[Philosophie]

 


Meine spezielle Philosophie

 

 

Das Instrument wächst kontinuierlich mit, nicht nur mit dem Körper, sondern vor allem mit der Seele!

 

Stimmliche und menschliche Entwicklung sind durch gleiche Hormonsteuerung unmittelbar miteinander verbunden!, was dieses "Instrument" sowohl für den Lehrer als auch für den Schüler so enorm interessant macht!

 

Gesang unterrichten ist wie Kinder erziehen. Es gibt einen schlauen Spruch, der sagt, dass man Kindern in jungen Jahren Wurzeln geben soll und später Flügel. Genauso verhält es sich mit dem Singen/Unterichten. Die Stimme muss im Körper verwurzelt sein (was im Gesangsunterricht der erste Schritt ist), aber aus dem Gesicht/Kopf/Mund fliegen können! Auch meine Methodik ist diesem Prinzip unterstellt. Da ich, wie schon erwähnt übers Singen recht großen Einfluss auf die Persönlichkeit meiner (jugendlichen) Schüler ausübe. Die Basis jeden Gesangsunterrichts ist gegenseitiges Vertrauen (die Wurzeln), aber, es liegt mir nichts ferner als "Dosenstimmen", d.h. kleine Kopien meiner Stimme/ Persönlichkeit zu "produzieren". Also versuche ich genauso den Schüler zur eigenen stimmlichen Persönlichkeit zu führen (Flügel verleihen).

 

 

A) Kann jeder Singen lernen oder brauche ich dazu eine gute Stimme?

 

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B) Auf was muss beim Singen geachtet werden...

 

A) Kann jeder Singen lernen oder brauche ich dazu eine gute Stimme?

1. Jeder kann singen lernen!

  • Jeder der Singen lernen will, kann es auch!
  • Ein guter Sänger besteht zu 90% aus Disziplin, Fleiß und Wille, die restlichen 10 % sind musikalische sowie stimmliche Begabung.
  • Und! Ganz wichtig; wie begabt (willig) ein Schüler ist, lässt sich nicht nach einem einmaligen "Vorsingen" abschätzen. Sehr wohl kann ich unter Umständen schon heraushören, ob eine außergewöhnliche stimmliche und/ oder musikalische Begabung vorhanden ist, aber was hilft mir die tollste Begabung, wenn der Sänger dazu nicht den Willen und Mut aufbringt mit seiner Stimme zu experimentieren (üben)....

 

2. Auf beiden Seiten ist jede Menge Geduld gefordert

  • In vielen methodischen Lehrbüchern über Gesang, ist nachzulesen, dass ein guter Sänger vor allem eines braucht, nämlich Geduld!
  • Klar ist es schön, einen eifrigen, fleißigen Schüler zu haben, der zielstrebig weiter drängt! Aber, er braucht mit sich Geduld, die Stimme ist kein starres, externes Instrument, sonden ein lebendiges Organ, das eben den Stimmungen des Sängers unterworfen ist!
  • Mindestens genausoviel Geduld wie der Schüler braucht der Lehrer. Er ist dafür verantwortlich, dass sich der Schüler an seine biologische Uhr hält und nicht zu früh zu viel will! Das führt meist nämlich nur zu Frust.
  • Das heißt aber nicht, dass ich einen Schüler ständig unterfordere; ganz im Gegenteil, wir gehen immer an die Grenzen, aber eben AN die Grenzen und nicht DARÜBER!

 

 

B) Auf was muss beim Singen geachtet werden...

1. Körperhaltung

  • Die Körperhaltung muss aufrecht und aktiv sein. Das heißt der Sänger, wenn er steht, steht sicher und fest auf beiden Beinen und mit einer gesunden Spannung, "zu allen Schandtaten bereit" da.

 

2. Zwerchfellatmung (Bauchatmung)

  • Die Einatmung ist sehr entspannt, der Sänger fühlt, wie sich das Zwerchfell (der Hauptatemmuskel) nach unten ausdehnt.
  • Bei der Ausatmung weitet sich der Brustkorb (locker!) und die Bauchdecke bewegt sich spannungsgeladen nach innen, da das Zwerchfell wieder nach oben strebt (was aber mittels Bauchmuskulatur, spannungsgeladen langsam passiert)
  • Am Ende der Phrase ist der untere Teil des Bauchs hoch-/eingezogen und muss nur losgelassen werden, damit wieder Luft einströmen kann
  • Die Luft sollte eben nicht "geholt" werden, sonder eben quasi von selbst einströmen...

 

3. Die Tonproduktion...

  • ... erfolgt im Kehlkopfbereich unbewusst, d. h. wir haben keinen bewussten Zugriff darauf,
  • nur über den Luftstrom lässt sich diese bewusst steuern.
  • Die Produktion der Tonhöhe wird über Vorstellung und das Gehör gesteuert.

 

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4. Der Klang...

  • ...wird rein (willentlich) über die Vorstellung gesteuert.
  • Nachahmung - Abhören ist hier angesagt.
  • Die augenblickliche körperliche wie seelische Verfassung spielen dabei eine ungeheuer wichtige Rolle!
  • Der harte (sowie der weiche) Gaumen muss, wie beim Lächeln (nicht Grinsen) oder Gähnen nach oben "gespannt" sein (mein sogenanntes Gaumenliftig) - Dies ist das sogenannte "In-die-Maske-Singen", kurz der richtige Stimmsitz.
  • Beim Piano hilft die Vorstellung des "Inhalierens" der Stimme, aber manche Schüler kommen mit dieser Vorstellung auch im Mezzoforte und Forte sehr gut zurecht. Die Italienische Schule fordert ja generell das Inhalieren der Stimme...
  • Für einen unverkrampften, lockeren Klang ist die Tiefstellung des Kehlkopfes unentbehrlich - aber wie stellt man den Kehlkopft tief?... z.B.: Mit den beiden dunklen Vokalen "o" und "u" oder ganz einfach mit einer "manuellen" (Hand-)Gegenbewegung.
  • Die Weite des Brustkorbes und des Rachenraumes ist unentbehrlich für einen frei strömenden voluminösen Klang.
  • Die Stellung der Zunge, das sogenannte "Ruder des Gesanges" muss immer locker vorne an der unteren Zahnreihe sein (es versteht sich von selbst, dass das bei einigen Konsonanten nicht machbar ist, allerdings, kann und muss die Zunge bei jedem Vokal vorne anliegen, da sonst die Gefahr des Knödelns besteht).
  • Der Kiefer ist locker, wie beim Gähnen. Auf Höhe des Ohres entsteht eine kleine Delle "im" Kiefergelenk...

 

5. Die Persönlichkeit des Sängers...

  • ... ist das heikelste Thema! Wir Gesangslehrer sind ja keine Psychologen; und doch bekomme ich von sehr vielen Schülern die Rückmeldung, dass der Gesangsunterricht einer Psychotherapie gleichkam (gleichkommt) und es ihnen dadurch viel besser geht! Ich hatte einmal eine Psychologin als Schülerin die völlig überrascht war, was ein Gesangslehrer durch die Stimme des Schülers für verblüffend treffsichere Einblicke in die Psyche des Schülers bekommt; Sie meinte, dass man jedem Psychologen in der Ausbildung diese Fähigkeit mittels Gesangsunterricht mitgeben müsste... Diese "Einblicke" geben uns Gesangslehrern (teilweise leider) eine enorme Macht und somit Verantwortung in die Hand. Ich habe es leider "an der eigenen Seele" erfahren, wie verheerend der negativ genutze Einfluss eines Lehrers sein kann; selbst nach dem Lehrerwechsel hatte ich noch ein gutes Jahr lang regelmäßig Alpträume mit/ von diesem Lehrer! - Ich bin stets enorm bemüht, meinen Einfluss auf die Psyche meiner Schüler nur zu deren Gunsten geltend zu machen! Bis lang hat mich noch kein Schüler in dieser Angelegenheit "geschimpft", sondern ich wurde zum Glück eher, vor allem von den Eltern der jüngeren Schüler "gelobt"...
  • ... sollte ich eben als guter Lehrer erkennen und alterbedingt stabilisieren.
  • ... sollte ich vor allem aber RESPEKTIEREN!
  • ... spiegelt sich absolut im Stimmgebrauch wider. (Eine schüchterne Schülerin wird auch entsprechend zurückhaltend singen; dagegen haben es temperamentvolle Schüler schwer sich auch stimmlich zu zügeln...).
  • Die Stimme darf auf keinen Fall widersprüchlich zur Persönlichkeit des Sängers sein!
  • Bestimmte Eigenschaften und Gemütsregungen kann man sehr gut technisch nutzen, wie zum Beispiel Temperament (gibt meist eine gute Spannung), Ausgeglichenheit (lässt die Stimme gut fließen), Wut (tut gut bei energetischen Problemen/ Übungen), frisch Verliebtsein (ist das beste Mittel seinen perfekten Stimmsitz zu finden) ect.

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6. (Meine) Unterrichtsmethodik

  • Ich unterrichte am ehesten die sog. "italienische Schule...", aber meiner Meinung nach, ist jegliches "Schubladendenken" immer falsch, somit unterrichte ich voll und ganz nach MEINER Methodik.
  • Die stimmliche Ausbildung ist wie ein schwingendes Pendel, der Schüler kommt, da er ja schon sein Leben lang seine Stimme gebraucht immer mit Extremen (belastet) zum ersten Unterricht. Gehe ich mit dem Schüler nur "in die goldene Mitte", so wird er sich in diesem Bereich auf seiner Extremseite einpendeln, da er ja nur sein Extrem und die Mitte kennt. Das heißt ich gehe mit dem Schüler in einem gesunden Rahmen ins andere Extrem dieses Bereiches und dann wird sich die Stimme wirklich in der golden Mitte einpendeln. Prizipiell ist so und so zu bemerken dass die stimmliche Entwicklung nie still steht und sich eine gute Gesangstechnik dadurch auszeichnet, dass die Bewegungen "des Pendels" immer kleiner werden.
  • Wie schon erwähnt, bringt jeder Schüler ein bereits ausgiebig, und nicht immer gut gebrauchtes Instrument (Stimme) mit in den ersten Unterricht. Eine relativ lange Zeitspanne verbringen wir damit, eine Art "Bestandsaufnahme" zu erstellen, was sind die Stärken und was die Schwächen des jeweiligen Schülers. Meine Methodik ist es, erst einmal die Stärken zu fördern um dann mit einem dadurch hochmotivierten Sänger behutsam an die Schwächen heranzugehen.
  • Im Gesang gibt es entweder nur das eine "große" Ziel der absoluten, ästhetischen Stimmbeherrschung, das kaum ein Sänger je voll und ganz erreicht, oder eben viele kleine Etappensiege über das "schwache" Fleisch, denn der Geist ist bei so gut wie jedem Gesangsschüler sehr willig!
  • Motivation, Motivation, Motivation...... ist der Schlüssel zum Erfolg! Es ist enorm wichtig mit/ für den Schüler ein gesundes, stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen.
  • Der Schüler muss vor allem auch lernen sich selbst und seine Stimmungen zu respektieren. Ich kann und will nur die wirkliche Stimme meiner Schüler ausbilden und nicht eine Wunschvorstellung ("... ich möchte so klingen wie Alica Keys...") antrainieren!

 

Jeder Mensch ist auf seine Weise schön und somit hat auch jeder Mensch eine schöne Stimme!!

Einmal davon abgesehen dass Schönheit immer im Auge des Betrachters (in diesem Falle, Zuhörers) liegt!!

 

  • Es gibt so gut wie keine Gesangsschüler, die nicht unbedingt singen können wollen, daher ist das häusliche Üben keine Frage des "Ob und wie oft", sondern des "Wie"! Wie übe ich zuhause. Genau das wird in den Unterrichtsstunden "geübt" und auf die jeweilige häusliche Situation abgestimmt.
  • Wie gebraucht man die Vokalisen?....
  • Zum Umgang mit "Vorbildern" aller Art: Es macht mich immer wieder traurig, wenn meine stimmlichen Fähigkeiten manchen Schüler demotivieren: So, da habe ich nun das Dilemma! Ich will, soll und muss ihnen alles möglichst perfekt und auf sie abgestimmt vorsingen und wenn ich das dann tue stehen sie oftmals "verklärt" da und meinen dazu nur: "Das ist so schön, dass 'krieg ich nie so hin. Jetzt bin ich frustriert!" - Und ich erst!!! Aber genau dass muss ich eben auch im Gesangsunterricht lernen, wie ich Vorbilder "richtig benutzen" kann.

 

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